Schlaftraining wirkt

Wenn die Polizei schlecht schläft

 

Hannes W. (Name geändert) hat einen anspruchsvollen Job in Wolfsburg. Er ist als Polizist für die Sicherheit bei Fußballspielen des VfL Wolfsburg genauso zuständig wie für die Aufklärung von Einbrüchen und Gewalttaten. Er tut dies seit 15 Jahren im Schichtbetrieb mit vielen anderen Kollegen und arbeitet mal nachts, mal früh morgens und dann wieder in den späten Abendstunden. Seit einiger Zeit hat er ein Problem: er schläft fast gar nicht mehr. Er liegt nach der Nachtschicht lange wach und kann nicht einschlafen, nach dem Frühdienst ist er wie gerädert, weil die Nacht so kurz war.

 

Weil es vielen seiner Kollege*innen ebenso geht, hat die Polizeiinspektion Wolfsburg im Herbst 2018 eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Erholsam schlafen – auch bei Schichtbetrieb“ für ihre Mitarbeitenden initiiert. Hannes W. und 21 seiner Kolleg*innen sollten lernen, wie sie  trotz ihres  fordernden Jobs in kurzer Zeit wieder erholsam schlafen und leistungsfähig arbeiten können.   

 

In einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe vermittelte die Schlaftrainerin Christine Dreyer von der Schlafschule  Hannover zusammen mit der Leiterin des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Anja Mahlke  die Basis für einen erholsamen Schlaf unter den fordernden Bedingungen des Polizeidienstes.

 

Rahmenbedingungen: Zum Auftakt vermittelte Dreyer in einem zweistündigen Vortrag die Grundlagen erholsamen Schlafs. Im Anschluss nahmen neben Hannes W. weitere 6 Schichtdienst- und 15 Tagesdienst-Mitarbeitende an 4 ca. 2-stündigen Workshops im 14-tägigen Abstand teil.  

 

Die Inhalte des Vortrags und der Workshops umfassten Themen wie:  Wie funktioniert der Schlaf und was behindert ihn? Was sind die Ursachen von Schlafstörungen?  Was fördert den Schlaf? Die Teilnehmer lernten, welche  Verhaltensweisen sie leichter (wieder) einschlafen lassen. Den Schichtdienstler*innen erläuterte die Schlaftrainerin spezifische Schlaf-Strategien für die unregelmäßigen Arbeits- und Schlafenszeiten. Die Teilnehmenden übten einige körperliche und mentale Entspannungstechniken ein. Die Polizisten erfuhren, wie sie bei beruflich hoher Beanspruchung ihren Stress nach der Arbeit loslassen können.

 

Das Ergebnis war für alle Beteiligten erfreulich: Von den 22 Teilnehmenden haben 18 inner­halb der 10 Wochen  vom ersten Auf­takt bis zur letzten Veranstaltung eine deutliche Verbesserung ihres Schlaf­geschehens fest­gestellt. Sie schliefen schneller ein, hatten weniger und kürzere Wachphasen und eine längere Gesamtschlafzeit. Insgesamt schliefen die Teilnehmenden erholsamer. Sie fühlten sich dadurch tagsüber weniger schläfrig, waren konzentrierter und leistungsfähiger.

 

Eine wissenschaftliche Untersuchung der Veranstaltungen durch die Leiterin des Betrieblichen Gesundheits­managements Frau Mahlke bestätigte die Ergebnisse. Mahlke führte wiederholt Befragungen durch, die sie in den kommenden Wochen noch weiter auswerten wird.

 

Das Feedback der Teilnehmenden war positiv: Die Mitarbeiter*innen waren  überrascht, wie schnell der Schlaf sich besserte und wie leicht die erlernten Maßnahmen umzusetzen waren. Sie empfanden den beruflichen Alltag als weniger belastend, da sie nun Ausgleichsmöglichkeiten nutzen konnten. Vor allem die Schichtdienstleist­enden waren dankbar, dass sie  nun Strategien für die fordernden Schlafsituationen im Schichtdienst gefunden hatten.